Vom Regionsfilter zum durchsuchbaren Verzeichnis: Facettensuche, Karte und Profilseiten
Aus einer simplen Regionsliste wurde ein durchsuchbares Winzer-Verzeichnis: Facettensuche, synchrone Kartenansicht und eigene Profilseiten in TYPO3.
Wenn aus einer Liste ein Werkzeug wird
Viele Websites führen ein Verzeichnis: Mitglieder, Anbieter, Standorte, Fachbetriebe. Oft ist es historisch als lange Liste mit einem einzelnen Filter gewachsen – funktional, aber mühsam zu durchsuchen. Diese Woche ist auf VINUM der komplett überarbeitete Weingüter-Kompass live gegangen: Aus einer simplen Regionsliste wurde ein vollwertiges, durchsuchbares Verzeichnis der Winzer – mit kombinierbarer Suche, synchroner Kartenansicht und eigenen Profilseiten pro Weingut.
Der Beitrag zeigt am echten Beispiel, wie man ein Verzeichnis in TYPO3 vom reinen Auflisten zu einem echten Rechercheinstrument entwickelt – und warum wir dabei bewusst nicht zu einer Suchmaschine wie Solr gegriffen haben.
Die Herausforderung
Der bisherige Weingüter-Kompass zeigte die Weingüter nach Region gruppiert, mit genau einem Filter: der Region. Wer ein Weingut mit einem bestimmten Merkmal suchte – etwa Bio-Betriebe im Wallis, die eine bestimmte Rebsorte anbauen – musste sich durch die Liste scrollen. Jeder Treffer war zudem nur ein Stück Text: Der Klick auf einen Pin in der Karte führte auf die externe Website des Weinguts, eine eigene Profilseite im Portal gab es nicht.
Drei Dinge sollten sich ändern, ohne die bestehende Darstellung von heute auf morgen umzuwerfen:
- Eine erweiterte Suche, die mehrere Kriterien gleichzeitig kombiniert – vergleichbar mit der Filtersuche grosser Online-Shops.
- Eigene Profilseiten pro Weingut mit sprechender Adresse, auf die auch die Kartenpins verweisen.
- Ein sanfter Rollout, damit die vertraute Ansicht so lange bestehen bleibt, bis die neue wirklich rund ist.
Unsere Lösung
1. Facettensuche statt Einzelfilter
Statt vieler einzelner Filterfelder gibt es jetzt ein zentrales Suchfeld mit Auswahlliste und Tippautomatik. Vier Dimensionen sind darin nach Gruppen sortiert kombinierbar: Region/Kanton, Angebote und Merkmale (etwa Degustation vor Ort, Bio, Übernachtung, Gastronomie), Rebsorten sowie Besonderheiten. Zusätzlich lässt sich frei nach Name, Ort oder Postleitzahl tippen.
Entscheidend ist die Logik dahinter: Mehrere Werte derselben Kategorie wirken als „oder” (Wallis oder Waadt), Werte unterschiedlicher Kategorien als „und” (Region Wallis und Rebsorte Pinot Noir). So lässt sich die Trefferliste präzise eingrenzen, ohne dass die Bedienung kompliziert wird. Umgesetzt haben wir das mit der bereits im Projekt vorhandenen Auswahlkomponente – ohne eine neue Abhängigkeit einzuführen.
Zwei Details aus den echten Daten waren dabei wichtig:
- Akzent- und Gross-/Kleinschreibung ignorieren: „Genève” und „geneve”, „Pinot Noir” und „pinot noir” müssen gleich behandelt werden. Wir normalisieren die Suchbegriffe deshalb intern (Zerlegung in Grundbuchstaben und diakritische Zeichen), sodass die Suche unabhängig von Akzenten trifft.
- Robustheit bei Lücken: Ein Weingut ohne hinterlegte Rebsorte oder ohne Merkmale muss trotzdem über Name oder Ort auffindbar bleiben – und darf den Aufbau der Suche nicht durcheinanderbringen.
Die Liste aktualisiert sich sofort und ohne Neuladen der Seite; „Zurücksetzen” stellt die vollständige Liste wieder her.
2. Lokale Filterung statt Suchmaschine – die bewusste Abwägung
Naheliegend wäre gewesen, für die Suche auf Solr zu setzen – die Suchmaschine, die auf VINUM die eigentliche Weinsuche mit über 100.000 Degustationsnotizen antreibt. Für den Weingüter-Kompass haben wir uns bewusst dagegen entschieden.
Der Grund ist die Datenmenge: Die vollständige Liste der Weingüter steht ohnehin bereits vollständig auf der Seite. In dieser Grössenordnung braucht es keine serverseitige Suchabfrage – die Filterung passiert direkt im Browser auf den bereits geladenen Daten. Das hat zwei handfeste Vorteile: Die Treffer erscheinen verzögerungsfrei (kein Server-Roundtrip, kein Neuladen), und es entsteht keine zusätzliche Infrastruktur, die betrieben, aktualisiert und indexiert werden müsste.
Die Faustregel, die wir dabei anlegen: Eine Suchmaschine wie Solr lohnt sich, wenn Datenmengen in die Tausende gehen, Volltextrelevanz und Rankings gefragt sind oder die Daten gar nicht erst vollständig in den Browser passen. Für ein überschaubares, kuratiertes Verzeichnis ist die schlanke, clientseitige Lösung schneller und günstiger im Betrieb. Das richtige Werkzeug hängt an der Datenmenge – nicht an der Frage, was technisch am meisten hermacht.
3. Karte und Profilseiten, die zusammenspielen
Jedes Weingut hat jetzt eine eigene Profilseite mit sprechender Adresse – aufgebaut wie die etablierten Mitgliederprofile im Portal: Kopfbereich, Beschreibung, Merkmale als Icons, Kontaktdaten, Öffnungszeiten und Kartenausschnitt. Damit diese Adressen sauber und suchmaschinenfreundlich sind, haben wir eine entsprechende Routing-Regel ergänzt, statt kryptische Parameter-URLs auszugeben.
Der zweite Schritt betrifft die Karte: Die Pins verweisen jetzt auf die Profilseite im Portal statt auf die externe Website des Weinguts. Karte und Liste ziehen dadurch am selben Strang – der Besucher bleibt im Verzeichnis und findet alle Informationen an einem Ort, statt auf verstreute externe Seiten geschickt zu werden.
4. Sanfter Rollout über einen Umschalter
Ein solcher Umbau darf die bestehende Seite nicht von einem Tag auf den anderen ersetzen. Deshalb steckt hinter dem Kompass ein Umschalter im Redaktionsbereich: In der Voreinstellung „Legacy” bleibt die klassische Listendarstellung Byte für Byte unverändert. Erst der Modus „Neu” aktiviert das überarbeitete Verzeichnis mit Facettensuche, Profilseiten und profilverlinkten Kartenpins.
So liessen sich die neuen Funktionen in Ruhe entwickeln und prüfen, während die Live-Seite unangetastet blieb. Ein Nebeneffekt der Überarbeitung: In der neuen Ansicht sind alle Regionen vollständig auswählbar – die 26 Schweizer Kantone und die 13 deutschen Anbaugebiete – und nicht nur jene, zu denen bereits ein Profil erfasst ist.
5. Self-Service für die Winzer
Ein Verzeichnis ist nur so gut wie seine Pflege. Damit die Inhalte aktuell bleiben, pflegen die Winzer ihre Angaben selbst – im bereits bestehenden, login-geschützten Bearbeitungsbereich. Im Zuge des Umbaus haben wir dort zwei neue Felder ergänzt: Instagram und Facebook. Sie funktionieren genau wie das bestehende Website-Feld und erscheinen anschliessend auf der Profilseite.
Der Clou liegt im Aufwand: Weil die Bearbeitung die Daten ohnehin schon direkt speichert, genügten das Datenmodell, das Formularfeld und die Datenbankspalte – kein Eingriff in die Ablauflogik. Neue Felder ohne Backend-Umbau, gepflegt von denen, die sie am besten kennen: den Weingütern selbst.
Das Ergebnis
Aus einer statischen Regionsliste ist ein Verzeichnis geworden, mit dem Besucher tatsächlich arbeiten: Sie kombinieren Kriterien über mehrere Dimensionen, sehen Treffer sofort in Liste und Karte, und gelangen mit einem Klick auf eine vollständige Profilseite – alles ohne Wartezeiten und ohne den Umweg über externe Websites. Die Winzer halten ihre Profile selbst aktuell, und die vertraute Darstellung blieb während des gesamten Umbaus verfügbar.
Fazit
Ein durchsuchbares Verzeichnis muss keine schwere Suchinfrastruktur bedeuten. Wer die Datenmenge realistisch einschätzt, das richtige Werkzeug wählt und den Umbau über einen Umschalter absichert, kommt schnell zu einer Lösung, die sich verzögerungsfrei bedient und günstig betreiben lässt. Facettensuche, Kartenanbindung und Self-Service-Pflege lassen sich so auch auf Mitglieder-, Anbieter- oder Standortverzeichnisse ganz unterschiedlicher Branchen übertragen.
Betreiben Sie ein Verzeichnis, das mehr sein soll als eine lange Liste? Sprechen Sie uns an – wir schauen uns Ihre Such- und Übersichtsseiten gerne an.
Über den Autor
Christopher Zechendorf
Christopher Zechendorf leitet die ext.dev GmbH und bringt über 25 Jahre Erfahrung in Webentwicklung, CMS-Systemen und Infrastruktur mit.